Zwei Jahre nach dem letzten Tag der offenen Tür fand die Ausgabe 2026 am 20. Juni in den Räumlichkeiten in der Berliner Straße statt. Der Tag war hervorragend von Sieglinde Berger zusammen mit Monika Müller und den Projektbetreuern, insbesondere Tobias Freudenmann, organisiert.
Pünktlich um 14:00 Uhr begrüßte der Vorstandsvorsitzende Joachim Drocur die Gäste, die bei tropischen Temperaturen den Weg ins LAB gefunden hatten. Und es waren erstaunlich viele Besucher.
In Vertretung von Landrat Bernhard überbrachte Dusan Minic, Abteilungsleiter für Jugend und Soziales am Landratsamt, Grüße und lobte die Zielsetzung und Arbeit des LABs. Er betonte, dass es dem Landkreis wichtig ist, junge Menschen an Naturwissenschaft und Technik heranzuführen, da im Kreis Böblingen mit seiner innovativen Ausrichtung Fachkräfte in diesem Bereich gebraucht werden.
Wie vor zwei Jahren standen die Projekte der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Auffallend war, wie gut alle Gruppen ihre Arbeit präsentierten und fundiert auf Nachfragen der Gäste antworten konnten.
Die Grundschulgruppen und der Laborführerschein hatten sich vor dem Gebäude im Schatten eingerichtet und zeigten und erklärten Experimente aus ihrem Kurs.
Auch die Gokart-Gruppe stand mit ihrem Gokart 2.0 im Freien. Die Teilnehmer hatten noch am Vormittag die letzten Schweißarbeiten und die Akkumontage erledigt. Leider war das Fahren den Besuchern aus Platz- und Sicherheitsgründen nicht möglich, was einige Gäste sehr bedauerten. Trotzdem gab es Fragen zur Konstruktion des Chassis, den Radmotoren und deren Ansteuerung sowie zum Energiemanagement des Elektro-Karts.
Im Gebäude wurde es gelegentlich sehr laut. Grund war der Windkanal, der für ein wenig Luftzirkulation sorgte, bei den hohen Temperaturen durchaus angenehm. Erklärt wurde unter anderem, was man unter dem cw-Wert versteht, wie er von der Profilform abhängt und auch, wie der Auftrieb beim Fliegen zustande kommt.
Das Team Flugrobotik entwickelt zurzeit eine steuerbare Rakete und testet dabei verschiedene Antriebe. Mit großer Begeisterung wurde die 3D-gedruckte erste Fassung gezeigt. Die große Herausforderung ist es, Soft- und Hardware so zu verbinden, dass die Rakete gezielt steuerbar wird.
Großen Zuspruch erfuhr auch das RepairLAB, das sogar einen neuen Auftrag entgegen-nehmen konnte. Ein Gast hatte einen Bewegungsmelder von seinem Haus mitgebracht, um ihn im LAB reparieren zu lassen. Immer wieder faszinierend ist die Vielfalt an Geräten, die instandgesetzt werden; von alten Schallplattenspielern, Kaffeemaschinen, Handys bis zu alten Radiogeräten, zum Teil Geräte aus mindestens 5 Jahrzehnten.
Das Team Space Robotics stellte seine neueste Kreation vor, dem Marsrover Krypton. Genauer gesagt konnte man die ersten Entwicklungsschritte sehen – die Konstruktion eines Rades, das mit 3D-Druck hergestellt wurde und ein griffigeres Profil erhalten soll gegenüber den Rädern des Vorgängermodells Neon. Bis zur Fertigstellung des auf dem Rocker-Bogie-Prinzip basierenden Krypton, vor allem die Steuerung der insgesamt 12 Schrittmotoren, wird es noch eine Weile dauern.
Großes Gedränge gab es auch im Robotik-Raum. Hier zeigten die verschiedenen Gruppen, inklusive der Girls-Gruppe, wie man mit Lego-Mindstorm Fahrzeuge und Geräte baut und auf verschiedene Arten programmiert (graphisch, textuell). Neben der Programmierung spielt vor allem die Sensorik eine wichtige Rolle, da deren Einsatz letztendlich die Funktionalität der Fahrzeuge bestimmt.
Beeindrucken konnte auch die große Anzahl an 3D-Druckern, die vielfältig im Einsatz sind. Wie in der Industrie werden Prototypen heute per 3D-Druck hergestellt, so auch bei uns. Aber auch Teile wie das Raketengehäuse oder die Räder des Marsrovers werden so gefertigt.
Eine Besonderheit ist das Projekt RePolySat, bei dem im Sinne von Nachhaltigkeit Kunststoffreste geschreddert und zu neuem Filament gezogen werden. Ziel ist es, damit Teile eines Satelliten zu drucken, der Ende 2027 in den Orbit gebracht werden soll.
Wie vor zwei Jahren war ein Highlight des Tages der Vortrag von Prof. Dr. Heinz Voggenreiter zum Thema „Luftfahrt der Zukunft“. Zunächst zeigte er auf, wie sich der Flugverkehr in den nächsten Jahren entwickeln wird. Hatte man vor Corona einen jährlichen Zuwachs von 5%, also ein exponentielles Wachstum, so brachte die Coronazeit einen gewaltigen Rückgang. Aber nach Corona sind wir auf dem Weg, den Einbruch zu kompensieren, um im Jahr 2043 auf einen Bestand von ca. 42.000 Flugzeugen zu kommen. Heute sind ca. 24.000 Maschinen im Einsatz. Fliegen wird also deutlich zunehmen und ist mittlerweile ein Teil unserer Kultur. Um die Umweltbelastungen zu reduzieren muss man technische Lösungen finden, etwa den Einsatz von Bio-Kerosin bei größeren Flugzeugen oder Wasserstoff-basierte elektrische Antriebe bei kleineren Maschinen. Heinz Voggenreiter erklärte sehr eindrücklich, dass nicht der CO2-Ausstoß allein problematisch ist, der bei etwa 3% der gesamten CO2-Emmission liegt, sondern dass Sekundäreffekte hinzukommen, die der Umwelt erheblich schaden. Die Kondensstreifen tragen zum Albedo-Effekt bei und damit zum Aufheizen der Atmosphäre.
Zum Wohlbefinden aller Besucher trug auch der Verkauf von Waffeln und Muffins bei. Und Getränke in jeder Form waren heiß begehrt.
Bleibt mir zum Schluss Danke zu sagen:
an Sieglinde Berger und Monika Müller, den Projektleiterinnen und –leitern für die perfekte Organisation des Tages und ihren Beitrag zu einer guten, entspannten Atmosphäre, an Heinz Voggenreiter für einen aktuellen, informativen und spannend präsentierten Vortrag und vor allem an alle Projektteilnehmenden und ihren Betreuerinnen und Betreuern, die den Tag mit großem Engagement und Begeisterung gestaltet haben.
Joachim Drocur, Vorstandsvorsitzender